Lean Startup

11/12/2017

Johannes Ellenberg

Das 2011 erstmals erschienene Buch „The Lean Startup von Eric Ries, Entrepreneur, Mitgründer von IMVU und Berater, hat in der Startup-Szene nahezu Kultstatus erreicht. Er überträgt und adaptiert die von Taiichi Ohno und Shigeo Shingo bei Toyota entwickelte Methode des Lean Manufacturing auf die Gründung von Unternehmen.

Ries hat sich damit eines realen Problems angenommen und bietet eine Lösung dafür an, die nicht perfekt ist, aber an der er und viele andere mit ihm weiterarbeiten. Als gescheiterter Startup-Gründer, fragte er sich, wie er es beim nächsten Mal besser machen könnte. Lean Startup beschreibt einen Weg der Unternehmensgründung, bei dem alle Prozesse so schlank wie nur möglich gehalten werden. Grundlage dafür ist, ein Produkt möglichst schnell an den Markt zu bringen, seinen Erfolg zu überprüfen und das Feedback der Kunden in die Verbesserung des Produkts einfließen zu lassen. Denn wer am Kunden vorbei entwickelt, verschwendet nicht nur Ressourcen, sondern scheitert.

Ries schreibt:

„Was, wenn wir ein Produkt produzieren, das keiner haben möchte? Was bringt es dann, wenn wir es rechtzeitig und im Rahmen des Budgets gemacht haben?“

Startups, so Ries‘ Erfahrung, fürchten sich davor, durch Überorganisation und Bürokratie die Kreativität einzuschränken. Deshalb lehnten sie es meistens ab, sich an bestehenden Organisations- und Managementbildern zu orientieren. Doch die „Just do it“-Variante führe ebenso in die Sackgasse. Lean Startup ist der Ausweg, den Ries anbietet.

Validated Learning

Der Kern von Lean Startup ist das „validated learning“ oder besser verständlich der Build Measure Learn Feedback Loop. Die Schleife setzt auf eine möglichst schnelle Entwicklung und schnelle Markteinführung. Mit dem Minimum Viable Product (MVP)wird ein Produkt an den Markt gebracht, das weder umfangreiche Features besitzt, noch perfekt ist. Der Erfolg wird anhand von Daten gemessen, die für das jeweilige Produkt/Experiment interessant sind, zum Beispiel Registrierungszahlen oder Downloads im Falle von digitalen Produkten. Das nennt Ries Innovation Accounting.  Auf Grundlage dieser Zahlen und nach mehreren Schleifen, für die das Produkt stetig verbessert wurde, wird entschieden, ob das Experiment weitergeführt, gestoppt oder in eine andere Richtung geführt wird (     Pivot). Es wird also immer wieder eine strategische Entscheidung getroffen.

Ries reklamiert für sein Modell, dass es die Verschwendung von Ressourcen verhindere. Es gebe so viele Startups, so viele Menschen mit guten Ideen und doch würden die meisten scheitern. Das könne man durch das Lean Startup-Vorgehen verhindern. Es gehe darum, wertschöpfende Aktivitäten von Verschwendung zu unterscheiden und schneller zu lernen, was funktioniert und was nicht.

Tauglich auch für den Mittelstand

Das Konzept eignet sich im Übrigen nicht nur für Startups, sondern auch für Entrepreneure in Unternehmen, digitale oder Innovationseinheiten, die unabhängig von der Hauptorganisation arbeiten können, wie Ries schreibt und an Beispielen zeigt. Es ist schlicht ein Managementmodell zum Aufbau von Unternehmen/Einheiten/‘Teams, die sich mit neuen Geschäftsmodellen in sich schnell verändernden Märkten befassen. Das Buch bietet sowohl einen praktikablen Weg des Organisationsaufbaus als auch die entsprechende Methodik.

Das Buch ist mit nur drei Kapiteln – Vision, Steer, Accelerate – klar und übersichtlich gegliedert. Viele Beispiele untermauern und betonen Ries‘ Erkenntnisse und machen das Ganze unterhaltsam. Nicht zuletzt erhält man Einblicke in die Entwicklung einiger Silicon-Valley-Unternehmen.

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