Handbuch für Startups

11/12/2017

Johannes Ellenberg

Gleich vorweg, das  Buch „The Startup Owner’s Manual“ von Steve Blank und Bob Dorf mag zwar ursprünglich eine Handlungsanleitung für Startups gewesen sein, doch es ist selbst nach Blanks Einschätzung mittlerweile ein Buch, das auch etablierten Firmen nützt.

Blank sagt heute: „Lean-Startup-Methoden sind gerade rechtzeitig gekommen, um bestehenden Unternehmen im Zeitalter kontinuierlicher Disruption zu helfen. Im 21. Jahrhundert bekommen Menschen in allen Arten von Unternehmen – Startups, kleine Unternehmen, Konzerne und auch Verwaltungen – den Druck der schnellen Veränderungen zu spüren. Lean Startup hilft ihnen dabei, der Herausforderung zu begegnen, schnell zu innovieren und ihr Geschäftsmodell zu transformieren.“

Blanks und Dorfs Buch beschreibt die Methode zur Suche und zum Aufbau eines funktionierenden Geschäftsmodells. Die Methode beruht auf den Erfahrungen der Autoren. Blank zum Beispiel hat in 21 Jahren acht Startups gegründet, vier davon an die Börse gebracht. Außerdem hatte er zwei Fehlschläge, einer davon ziemlich groß.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Handbuch sind:

  • Ein Startup ist kein kleines Unternehmen. Es sucht noch nach einem Geschäftsmodell, während etablierte Unternehmen ihr Geschäftsmodell umsetzen.
  • Businesspläne mit Annahmen für mehrere Jahre sind in dieser Suchphase vergebliche Liebesmühe. Sie gleichen Science Fiction und sind Zeitverschwendung. Startups fassen ihre Idee in einer Business Model Canvas zusammen.
  • Startups müssen das Büro verlassen, um ihre Annahmen zu testen, nicht nur die über das Produkt, sondern auch über die Produkteigenschaften, Preise, Vertriebskanäle etc.
  • Startups praktizieren das so genannte „agile development“, das es ihnen erlaubt, ihr Produkt schnell auf den Markt zu bringen (Minimum Viable Product –MVP) und aufgrund des Kundenfeedbacks zu verbessern.

Zentrales Element des Buchs ist der Customer-Development-Prozess. Er ist entstanden aus der Erfahrung heraus, dass den meisten Startups ein strukturierter Prozess fehlt, um die Hypothesen ihrer Geschäftsmodelle zu testen und diese Annahmen in Fakten zu verwandeln. Das traditionelle Modell zur Einführung neuer Produkte bietet Kundenfeedback erst zu einem Zeitpunkt, an dem bereits viele Ressourcen und Geld verbraucht wurden. Wenn das Produkt dann nicht ausreichend Käufer findet, ist es zu spät. Blank und Dorf haben eine alternative Vorgehensweise entwickelt.

Für den Praxiseinsatz geeignet

Das Handbuch verbindet den Lean-Ansatz, Prinzipien des Customer Development sowie Konzepte wie Design Thinking und Rapid Prototyping zu einem umfassenden Vorgehensmodell, mit dem sich aus Ideen und Innovationen tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Sämtliche Schritte auf dem Weg sind detailliert beschrieben und können anhand der zahlreichen Checklisten nachvollzogen werden. Darüber hinaus gibt es jeweils Anleitungen für physische und digitale Märkte. Damit ist das Buch ein wertvoller Leitfaden für Gründer und Unternehmer, die sich zukunftsfähig aufstellen möchten, gleichermaßen.

Die deutsche Ausgabe unter Mitarbeit von Prof. Nils Högsdal (Link zum Interview?) und Entrepreneur Daniel Bartel enthält sieben Fallstudien aus dem deutschsprachigen Raum.

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